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Gelebte Integration prägte das Ezid-Fest in Lollar

Lollar (nag). Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Gemeindezentrum in der Justus-Kilian-Straße in Lollar. Gemeindemitglieder aus Hessen waren mit ihren Familien angereist und hatten ihre Tische zum jährlichen Ezid-Fest, das dem christlichen Weihnachten entspricht, reichlich mit Speisen gedeckt.


Zusammen mit Freunden und Ehrengästen aus unterschiedlichen Religionen wurde das stimmungsvolle Fest zu einem Ort der Begegnung und auch der gelebten Integration.

Das offizielle Programm wurde von Nevaf Celik, Mitglied des Finanzvorstandes und Moderator des Nachmittages, mit einer Gedenkminute für die Opfer von Verfolgung eröffnet. Feierlich musikalisch untermalt trug anschließend Kadri Atalan in kurdischer Sprache das Glaubensgebet der Eziden »Maka Ezid« vor. Die Kinder der Chorgruppe der Ezidischen Gemeinde sprachen, angeleitet von ihrem Lehrer Hayretin Yusun, das Ezidische Glaubensbekenntnis »Shada Ole« in kurdischer und deutscher Sprache. Die Kinder treffen sich zweimal wöchentlich, um die kurdische Sprache, Lieder und Texte der ezidischen Gemeinde zu erlernen und somit ein Stück ihrer Identität zu bewahren.

Irfan Ortac nahm Zuhörer auf eine Zeitreise mit

Auf eine Zeitreise nahm der Gemeinderatsvorsitzende Irfan Ortac seine Zuhörer im Anschluss in seiner Rede mit. Er erinnerte an die Gründung des Vereins vor fünf Jahren, schöne Zeiten und harte Tage. Für ihre besondere Unterstützung in den vergangenen Jahren dankte er Sükrü Boga und Nevaf Celik. Ebenso sprach er seinen Dank an die Freunde und Unterstützer der ersten Stunde, Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD-Vorsitzender Hessen, und den verstorbenen Jürgen Rahn aus.

Als Ehrengäste begrüßte er den Hausherrn und Bürgermeister der Stadt Lollar Dr. Bernd Wieczorek, den SPD-Landtagsabgeordneten Gerhard Merz, Bernd Apel vom Rat der Religionen, Landrätin Anita Schneider, Gerhard Weber, CDU Lollar, Dr. Gerhard Noeske, Kreistagsabgeordneter der CDU, Gerhard Born, Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Lollar, sowie Mitglieder der Aramäischen Gemeinde.

»Was bedeutet Integration?«: Diese Frage beantwortete Ortac mit den Worten »Es ist keine Floskel, sondern Realität, dass Lollar, Staufenberg, Gießen, Frankfurt, Kassel oder Marburg unsere Heimat sind. Wir werden diese Heimat beschützen, wir sind Teil dieser Heimat.« Gleichzeitig betonte er, dass die Bereitschaft, diese Integration zu zeigen, noch am Anfang stehe, es jedoch genauso wichtig sei, von der Mehrheitsgesellschaft angenommen zu werden. Als besondere Freunde der Ezidischen Gemeinde Hessen e.V. hieß er Professor Dr. Linus Hauser mit Frau Marianne und Professor Dr. Rudolf Grulich von der Justus Liebig Universität Gießen sowie Matthias Körner, Vorsitzender des SPD-Bezirks Gießen, willkommen.

Für ihre Verdienste als Frauenbeauftragte der Ezidischen Gemeinde Hessen e.V. zeichnete Nevaf Celik Frau Xeredin Erbek aus und übergab ein Blumenbukett. In den folgenden Beiträgen lobten Anita Schneider, Dr. Bernd Wieczorek und Gerhard Merz die Integrationsbemühungen der Ezidischen Gemeinde, dankten für die hervorragende Arbeit und sicherten ihre weitere Unterstützung zu. Diyar Xatari, ehemaliger Bediensteter in Lalish, dem heiligen Ort der Eziden im Irak, rezitierte das Gedicht »Li min bibora cejn«, begleitet von feierlicher Musik. Schwerpunkte der anschließenden Reden von Prof. Dr. Linus Hauser, Prof. Dr. Rudolf Grulich, Dr. Gerhard Noeske, Matthias Körner und Gerhard Born, waren Kultur und Menschenrechte.

Zeremonie »Tuafa Berata wurde vollzogen

So betonte bei der Feier Professor Hauser: »Wir sind alle Menschen und interessiert an Menschenrechten«. Dr. Noeske freute sich besonders über die Kinder- und Jugendförderung des Vereins, denn so bewahrten sie die Ezidische Kultur und erlernten gleichzeitig die Kultur und Sprache des Landes, in dem sie leben.

Bei der nun folgenden religiösen Zeremonie »Tuafa Berata«, mit der alle Ezidischen Feste gesegnet werden, berührten die Gemeindemitglieder jeweils mit Stirn und Mund die Berats und empfingen dadurch die Segnung. Berats sind kleine Kügelchen, geformt aus heiliger Erde und heiligem Wasser aus Lalish, die jeder Ezide, unabhängig davon, wo er lebt, bei sich haben sollte.

Die über 300 Gäste des Festes feierten und tanzten den »Shexani«, einen traditionellen Tanz, zu Musik der Jungstars Rayid und Habo Farman aus Köln bis in den späten Abend. Mehr über die Ezidische Gemeinde Hessen e.V., ihre Kultur und Religion ist unter www.eziden-in-hessen.de zu finden.

Gemeinderatsvorsitzender Irfan Ortac (Mitte) und Gäste tanzen den »Shexani«. (Foto: nag)

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