Ezidische Gemeinde feierte in Lollar auch fünfjähriges Bestehen

20.12.2011 - KREIS GIESSEN

(elf). Das Ezid-Fest und fünfjähriges Bestehen feierte die Ezidische Gemeinde Hessen in ihrem Gemeindezentrum in Lollar. Zu Gast waren zahlreiche Vertreter von Politik, Landkreis und Stadt Lollar. Das Gemeindezentrum war voller Leben. Kinder lachten, es wurde gegessen und getrunken, man konnte Gebete hören, es wurde gesungen und würdevoll getanzt, Zeremonien durchgeführt und Reden gehalten. Es eröffnete den Nachmittag als Moderator Nevaf Celik.

Das Ezid-Fest findet, ähnlich wie das christliche Weihnachten, zur Sonnenwendzeit statt. Allerdings sind die Eziden keine christliche Religion, sondern eine eigene monotheistische Religion. Es handelt sich beim Ezid-Fest nicht um Weihnachten.

Gemeinderatsvorsitzender Irfan Ortac eröffnete die Veranstaltung mit einem ernsten Thema. Ortac sprach über einen Mord, den ein Mann ezidischen Glaubens im Namen der Ehre vor Kurzem an seiner Tochter begangen habe. Mord sei allerdings Mord, betonte Ortac und distanzierte sich.

Dann sprach Ortac über die fünf Jahre des Gemeindezentrums und die zentralen Themen. Frauen- sowie Kinder- und Jugendförderung nannte er als zwei große Ziele, die ihm am Herzen lagen. „Wir haben viel Unterstützung dabei gehabt“, sagte Ortac. Thorsten Schäfer-Gümbel sei einer der Unterstützer gewesen. Dazu gehöre ebenfalls Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek, der ebenfalls zu Gast war, SPD Politiker Gerhard Merz, außerdem gebe es aramäische Freunde. „Wir dürfen keine Angst vor Anpassung haben, manche nennen das auch Integration“, sagte Ortac weiter. Manch einer spreche über Integration, ohne zu wissen, was es bedeute, manch einer spreche auch über die Gefühle der Eziden, ohne die Gefühle überhaupt zu kennen, merkte er kritisch an. Er könne verstehen, wenn darüber Wut entstehe.

Ortac sagte, tolle Jobs etwa reichten nicht als Ziele, man müsse auch Teil der Gemeinschaft werden. „So wie wir euch, müsst auch ihr uns annehmen“, sagte er an die Adresse der deutschen Gäste. In Deutschland fühle er sich wohl.

Landrätin Anita Schneider sprach von „erfolgreicher Integration“. Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek erinnerte an die fünf Jahre, in denen die Gemeinde nun das Haus nutze, er hoffe, dass es gelungen sei, das Haus als Heimat zu empfinden. „Wenn ich jetzt sehe, was in diesen fünf Jahren geleistet und auf die Beine gestellt wurde“, so Wieczorek, „bin ich schon sehr begeistert“.

SPD-Politiker Gerhard März richtete neben den Grüßen der SPD insbesondere jene von Thorsten Schäfer-Gümbel aus. Die SPD sei am Dialog mit allen Religionen in diesem Land interessiert. Jeder solle seine Religion in diesem Land ausüben können, sofern sie friedlich sei. Dies sei bei den ezidischen Freunden ganz sicher der Fall.

Dr. Gerhard Noeske, Kreistagsabgeordneter der CDU, freute sich über die vielen Kinder, die er auf der Veranstaltung sehe. Dies mache Hoffnung auf beides: Auf das Bewahren der Kultur und auf das Lernen der Mehrheitskultur. Weiterhin sprachen unter anderen Prof. Dr. Rudolf Grulich von der Uni Gießen, Prof. Dr. Linus Hauser und Gerhard Born von den Grünen.

Ika Bordasch, Schriftführerin der Deutsch-Kurdischen Gesellschaft Gießen, erklärte den Ablauf der zentralen Zeremonie während des Nachmittags. Ihr Name laute „Tuafa berata“, bei der Erde der heiligen Stätte Lalish geküsst werde. Die Kügelchen werden aus heiliger Erde und heiligem Wasser geformt. Jede Gemeinde habe diese Erde. Alle Mitglieder der ezidischen Gemeinde gingen nach vorne an den Altar, beugten den Kopf und küssten die Erdkügelchen.

Außerdem wurde Frauenbeauftragte Merdine Erbek für ihre Arbeit geehrt und erhielt Blumen von Nevaf Celik. Im weiteren Verlauf des Festes wurde nicht nur gegessen und getrunken. Es wurde auch getanzt. Übrigens: Wer sich genauer informieren will, kann auf der ausführlichen Internetseite der Ezidischen Gemeinde Hessen weitere Hintergründe finden - www.eziden-in-hessen.de.

Gemeinsam tanzten Männer und Frauen während der Ezid-Festes in Lollar. Foto: Elf

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/landkreis/11495427.htm

 

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